TRUCK RACING Le Mans (FRA)

11.10. – 12.10. 2014

Le Mans (FRA)

Knapp 53.000 begeisterte Fans erlebten ein spannendes Finale der FIA European Truck Racing Championship auf dem Circuit Bugatti in Le Mans. Am Samstag gab es einen echten Spätsommertag, der Regen am Sonntag war auch recht verträglich, da haben die Truckracer Le Mans Mitte Oktober schon was ganz anders erlebt.
Die Stimmung im Paddock war sicherlich angespannt, es war ja auch extrem spannend – aber keinesfalls gereizt. Mit seinem Sieg gleich im ersten Rennen konnte der Ungar Norbert Kiss seinen Vorsprung in der Meisterschaftswertung gleich weiter ausbauen, seine beiden MAN-Markenkollegen Jochen Hahn (GER) und Antonio Albacete, die beiden Piloten, die Kiss den Titel noch hätten streitig machen können, hatten sich innerlich wohl damit abgefunden, nicht mehr Champions werden zu können.
Eigentlich hätte ja auch nur noch der Defektenteufel den Ungarn stoppen können, und das wünschte eigentlich niemand.
Denn auch wenn es schon sieben Jahr her ist, vielen war noch das Drama vom Finale in Jarama 2007 in Erinnerung, als der Schweizer Markus Bösiger (damals Buggyra) mit einem beinahe uneinholbaren Vorsprung von 26 Punkten ins letzte Wochenende startete. Auf dem Circuito del Jarama wurde er dann von einem Defekt nach dem anderen heimgesucht, bevor am Ende nach vielen Protesten und Gegenprotesten mit einem Pünktchen Vorsprung Meister wurde. So etwas wollte nun niemand mehr, dazu ist der Respekt voreinander viel zu groß.
Die Truckracinggemeinde ist eine große Familie, es geht hier anders zu als in eigentlich allen anderen FIA-Serien. Der Letzte im Feld genießt unter den Truckracern genauso ein Ansehen und einen solchen Respekt wie die Toppiloten. Das wurde wieder ganz besonders deutlich bei der abschließenden FIA Victory and Award Ceremony, als jeder, aber auch wirklich jeder, gefeiert wurde, wenn er auf der Bühne seinen Cup entgegennahm.
In einer kurzen Ansprache sagte denn auch der dreifache Europameister und diesjährige Vizechampion Jochen Hahn unter dem tosenden Beifall der mehr als 300 Gäste, wenn es die Piloten aus dem hinteren Starterfeld nicht gebe, dann gebe es auch die im Vorderfeld nicht, denn nur mit den paar RaceTrucks an der Spitze könnte man keine Rennserie bestreiten.
Auch neben den Rennen gab es wieder viel Action, die traditionelle Show am Samstagabend war schon extrem spektakulär. Das ist eben Le Mans, dann herrscht hier die Atmosphäre der 24-Stunden-Rennen, dann hat man fast den Eindruck, der Motorsport sei hier teilweise Nebensache.
Wenn die Saison zu Ende geht, herrscht nicht nur etwas Wehmut, es herrscht auch schon wieder Aufbruchstimmung. Die Truckracer sind es gewöhnt, schon ziemlich exakt mitgeteilt zu bekommen, wo denn wann im folgenden Jahr gefahren wird.
Nun aber gab es nichts Neues. Der nächstjährige Kalender ist weiterhin etwas zerklüftet mit einer neunwöchigen Sommerpause und viermal zwei Rennen mit je nur immer einer Woche Abstand.
Die Teams können einfach nicht verstehen, dass es für Ende Juni, wenn das Rennen im südfranzösischen Nogaro und der Truck Grand Prix am Nürburgring binnen Wochenfrist stattfinden soll, keine Alternative gibt.
Das würde ansonsten bedeuten, um die Zelte in Nogaro abzubauen, rund 1.300 Kilometer quer durch Frankreich in die Eifel zu fahren, die Zelte am Ring wieder aufzubauen, und dann auch noch Service zu machen, stünden gerade mal drei Tage zur Verfügung.
Wäre der TGP eine reine Zwei-Tage-Wochenendveranstaltung, gäbe es wohl keine so großen Probleme, der TGP ist aber das einzige Vier-Tage-Event in der FIA ETRC, hier geht es schon donnerstags los.
Die Trucks der Teams transportieren zwar Rennfahrzeuge sind selbst aber keine. Sie sind nicht nur an Geschwindigkeitsbegrenzungen gebunden, die Fahrer müssen auch gesetzlich vorgeschriebene Ruhepausen einhalten. Sie können nicht einfach von der Gascogne in die Eifel durchdonnern – offensichtlich hat man sich da bei der Terminplanung nicht ausreichend Gedanken gemacht.
Den Traditionstermin des TGP am Ring nehmen Bernie Ecclestone und seine Mannen für ihre Formel 1 in Anspruch. Der Ausweichwunschtermin der Truckracer, eine Woche nach der Formel 1, wird nun von den Radsportlern für ihr „Rad am Ring“-Event reklamiert.



TRUCK RACING

Die Neue Truck Race Saison 2014 steht vor der Tür.  Wir freuen uns schon jetzt auf die Action.

  • 11. – 12. October
    Le Mans – FR

04.10. – 05.10. 2014

Jarama (ESP)

Fantastisches Wetter, volle Tribünen, 30.000 begeisterte Fans beim 8. Lauf der FIA European Truck Racing Championship auf dem Circuito del Jarama im Norden der spanischen Hauptstadt Madrid. Allerdings fehlten die ganz großen Repräsentationszelte einiger der großen Globalplayer aus der Nutzfahrzeugindustrie. Stattdessen präsentierten sich diverse Unternehmen, darunter auch viele aus dem Zubehör- und Aftermarket-Bereich, in kleineren Zelten oder hatten Longen angemietet. Die Schar geladener Gäste war offensichtlich kleiner als in den vergangenen Jahren, so herrschte im Fahrerlager auch weniger Gedränge – denn in Jarama berechtigen die Tribünen-Tickets nicht auch automatisch zum Besuch des Paddocks wie bei den meisten anderen Läufen zur FIA ETRC.
Die deutsche Delegation war diesmal kleiner als gewöhnlich, nur vier Pilotinnen und Piloten. Dafür lässt sie das Herz einer jeden Gleichberechtigungsbeauftragten höher schlagen – bei einer Frauenquote von 50 Prozent. Die meisten Piloten stammten natürlich aus Spanien, allen voran Antonio Albacete. Die absoluten Publikumslieblinge sind allerdings die Gebrüder Vila und ihre Freunde. Zwar werden sie in der Regel schon nach der Hälfte des Rennens überrundet, doch das ist zweitrangig. Für sie und ihre Fans zählt einfach nur die Show, das Spektakel. So nehmen sie mit ihren schon längst nicht mehr konkurrenzfähigen, alten RaceTrucks fast jede Kurve im Drift, und zum Abschluss wird der Asphalt minutenlang mit Donuts und Burnouts „malträtiert“. Die Fans waren so enthusiastisch, dass sich selbst sonst eher zurückhaltendere Piloten wie Albacete und der Tscheche Adam Lacko (Buggyra) zu Demonstrationen ihrer Show-Fahrkünste hinreißen ließen.
Trotz all dieser tollen Stimmung war Steffi Halm todunglücklich. Die deutsche MAN-Pilotin konnte nur in den Freien Trainings voll aufs Gras treten, ab der 1. Qualifikation war bei ihr der Wurm drin. Die Lenkungsprobleme an ihrem RaceTruck konnten an Ort und Stelle nicht mehr behoben werden, obwohl das Lion-Team bis zum 4. Rennen fieberhaft daran arbeitete.
Eher zufrieden sind die meisten Truckracing-Fans und auch die Offiziellen mit der Konstellation an der Spitze. Überhaupt war das bisher einer der spannendsten Saisonverläufe. Die drei MAN-Piloten Norbert Kiss (HUN), Antonio Albacete und der deutsche Titelverteidiger Jochen Hahn liegen vor dem Finale gerade mal 6 Punkte auseinander. So heiß umkämpft war der Titel noch nie.
Die Bauarbeiten im Paddock verlangten von den Teams einige Einschränkungen, werden allseits aber sehr begrüßt. Die Rennstrecke ist 1963 konzipiert und 1967 eröffnet worden. Was seinerzeit als hochmodern galt, ist heute längst überholt. Insbesondere das Fahrerlager könnte eine Grundrenovierung bestens gebrauchen. In drei Bauabschnitten sollen sämtliche Arbeiten 2021 abgeschlossen sein, die Truckracer sind aber erst einmal gespannt, wie es im nächsten Jahr auf dem Circuito del Jarama aussehen wird.

20.09. – 21.09. 2014

Zolder (BEL)

„Nicht schon wieder“, wird es vielen durch den Kopf geschossen sein, als der Streckensprecher direkt nach dem Start des ersten Rennens des 7.Laufs zur FIA European Truck Racing Championship im belgischen Zolder mit sich fast überschlagender Stimme etwas von einem schweren Crash schrie, und wenig später hallte auch noch etwas von einem Einschlag in die Mauer über die Lautsprecher. All das erinnerte stark ans letzte Jahr, als es im gleichen Rennen am selben Ort einen der spektakulärsten Unfälle der FIA ETRC gegeben hatte. Tatsächlich war es aber diesmal bei weitem nicht so dramatisch, und der Mauereinschlag stand auch nicht im direkten Zusammenhang mit dem Crash. Für den jungen Ungarn Benedek Major was das jedoch völlig egal. Auch bei seinem zweiten Rennwochenende in Zolder fuhr der MAN-Pilot keine einzige Rennrunde. Wie schon im letzten Jahr war sein RaceTruck so stark in Mitleidenschaft gezogen worden, dass an eine Reparatur vor Ort nicht zu denken war.
Mit 13.000 Besuchern waren etwas mehr an der Rennstrecke als jeweils in den beiden letzten Jahren. Dabei war das Wetter gerade am Sonntag, dem traditionell stärkeren Tag in Zolder, nicht sehr einladend.
Einen großen Auftritt hatte Lokalmatador Jean-Pierre Blaise. Von den 200 Gästen des Lion-Teams waren allein 150 gekommen, um das 30-jährige Rennfahrer-Jubiläum des belgischen MAN-Piloten zu feiern. Dann holte sich Blaise am Sonntag mit seinem 8.Platz im ersten Rennen auch noch die Pole für sein diesjähriges Abschiedsrennen – dann ein Crash schon wenige hundert Meter nach dem Start und das Aus. Blaise war untröstlich, was nutzte es ihm, wenn sein Kontrahent eine Durchfahrtsstrafe bekam. Der Belgier wird in dieser Saison nicht mehr beim Truckracing dabei sein. In Jarama und Le Mans fährt sein Spanischer Kollege Javier Mariezcurrena den MAN mit der No.20.
Der Kampf an der Spitze bleibt spannend wie selten. Dass wieder ein MAN-Pilot die Meisterschaft gewinnt, scheint sicher, auch wenn theoretisch die beiden tschechischen Buggyra-Piloten Adam Lacko und David Vrsecky auch noch Meisterschaftschancen hätten. Praktisch entschieden wird das Chanpionat jedoch zwischen dem Spanier Antonio Albacete (303 Punkte), dem Ungarn Norbert Kiss (297) und dem deutschen Titelverteidiger Jochen Hahn (296). Hahn hat mit Zolder jetzt seine „Seuchen“-Strecke hinter sich, Jarama und Le Mans gehören zu seinen Lieblingsrennen.
Albacete wiederum kennt gerade in Jarama jede Ecke wie im Schlaf und bei Kiss meint man, er habe gar keine Lieblingstrecke, er scheint überall gut. Auf der einen Seite brauchen die Piloten bei so geringem Abstand jeden Punkt, auf der anderen Seite darf man sich auch keinen Ausfall mehr leisten.

30.08. – 31.08. 2014

Most (CZE)

Irgendwie hatten die Truckracer in Most wohl doch den besseren Draht zu Petrus. Während die Piloten und Pilotinnen in den Rennen des Rahmenprogramms bei teilweise strömendem Regen über die Piste rutschten, ging es in den beiden Rennen der Truckracer – vor trotz des miesen Wetters insgesamt über 50.000 Zuschauern – vergleichsweise glimpflich zu. So auch beim letzten Rennen des Wochenendes. Der große Regen kam erst am Ende der Siegerehrung.
Dennoch hatte die Piste in manchen Abschnitten kaum Grip, ein gewisse Vorsicht war schon angebracht.
Auf der Pole stand Rodrigues, die erste Pole in seiner langen FIA ETRC-Karriere, und neben ihm lag Kiss, einer der besten Starter im Truckracing. So rechnete auch niemand damit, dass der portugiesische Renault-Pilot am Start eine Chance haben würde. Tatsächlich gewann Kiss dieses Duell in der Anfahrt zur dritten Kurve problemlos, die restliche Verfolgermeute konnte Rodrigues jedoch bestens in Schach halten. Ganz am anderen Ende der Rennstrecke, in der beinahe 180 Grad-Kehre hatte schon in der zweiten Runde offensichtlich die Lenkung an Kiss’ MAN versagt, zumindest deutete der Ungar das so an, und der RaceTruck war im Kiesbett gelandet. So lag Rodrigues plötzlich erneut in Führung. Doch lange konnte der Portugiese diese Position nicht genießen. Zunächst krallte sich Bösiger den Renaultpiloten und wenig später zogen auch Albacete, Lacko, Vrsecky und Hahn in beinahe geschlossener Gesellschaft vorbei. Rodrigues hatte aber noch mehr Schrecksekunden zu überstehen. Denn nun hatte er Körber im Nacken, und als der Iveco-Pilot neben dem Renault des Portugiesen lag, kam der offensichtlich auf der immer noch rutschigen Piste ins Schwimmen und knallte Körber voll in die Seite. Während der Deutsche sich drehte und zurückfiel, blieb Rodrigues – mit allerdings stark gezeichnetem Truck – weiter auf der Piste. Doch zwei Runden später musste der Renault-Pilot seinen 6. Platz Vojtisek überlassen, und in dessen Schlepptau zogen auch noch Janiec und Reinert vorbei. Am Ende blieb Rodrigues der 9. Rang vor Halm, die sich damit den letzten FIA-Punkt sicherte.
Auch in der Spitzengruppe schien alles geregelt, Bösiger vor Albacete und Vrsecky, Lacko und Hahn auf den Plätzen vier und fünf. Schließlich schoss doch noch in der letzten Kurve Albacete an seinem Teamkollegen vorbei und sicherte sich so den Sieg.
Die Teamwertung gewann Truck Sport Bernau vor Buggyra und Reinert Adventure.
In der Gesamtwertung hat Albacete mit insgesamt nun 261 Punkten wieder die Führung übernommen gefolgt von Hahn (249), Kiss (246), Lacko (205), Vrsecky (178) und Bösiger (169).

18.07. – 20.07. 2014

Nürburging (GER)

Das war er nun, der 29. Truck Grand Prix am Nürburgring, der 5. Lauf zur FIA European Truck Racing Championship. Im Vorfeld hatte es intensive Diskussionen um den Termin gegeben, denn das klassische TGP-Wochenende ist ja schließlich das zweite im Juli. Doch just da gab es eben die Endspiele der Fußball-WM. Beim ADAC Mittelrhein, dem Veranstalter des TGP, fürchtete man offensichtlich, diese extreme Fußball-Euphorie – die halbe Nation war ja schon im Vorfeld überzeugt, Deutschland würde Weltmeister – könne Zuschauer kosten.
So wich man um eine Woche nach hinten aus, kollidierte dann jedoch mit dem Großen Preis von Deutschland der Formel 1 auf dem mal gerade zwei Auto-Stunden entfernten Hockenheimring…

Saisonstart in Misano mit 21 Trucks

Das war ein Saisonauftakt nach Maß für die FIA European Truck Racing Championship.
Über 38.000 Zuschauer bei herrlichem Sommerwetter – im Schatten um die 30 Grad, Asphalttemperatur gar mehr als 50 Grad – auf dem World Circuit Misano, das waren 15 Prozent mehr als im letzten Jahr. Und das, obwohl die Protagonisten unter den Sponsoren sich mit der Einladung von Gästen spürbar zurückgehalten hatten. Dabei darf man auch nicht vergessen, seit Ewigkeiten hat Italien in der FIA ETRC keinen Lokalmatador, der die Massen anziehen könnte. Ein Deutscher, auch wenn er Gerd Körber heißt, auf einem italienischen Iveco ist da kein wirklicher Ersatz für echte Tifosi.
Dennoch war im Jahr 1 nach dem offiziellen Renault-Ausstieg und der Ankündigung von MAN sich auch aus der FIA ETRC verabschieden zu wollen, ziemlich das Gegenteil von dem zu verspüren, was einzelne Schwarzseher prophezeit hatten. Truckracing lebt – mehr als je zuvor.
Weiterhin sind die MAN-RaceTrucks das Maß aller Dinge, zumindest die mit den absoluten Top-Maschinen. Doch wie schnell sich das ändern kann, zeigte das Abschlussrennen am Sonntagnachmittag. Vorab hätte wohl niemand auf solch ein Podium gewettet, zwei Tschechen, David Vrsecky und Adam Lacko auf Buggyra Freightliner vor einem MAN. Aber nicht mit Jochen Hahn (GER), nicht mit Antonio Albacete (ESP), nicht mit Markus Bösiger (SUI) und auch nicht mit Norbert Kiss (HUN), sondern mit dem Deutschen René Reinert, dem eben nicht solch eine absolute Topmaschine zur Verfügung steht. Für die Favoriten-Crew mag das schmerzlich gewesen sein, fürs Truckracing war es gut.

TRUCK RACING 2013

TRUCK RACING 2012